Ein Geschäftsmodell beschreibt die Logik, nach der eine Organisation Wert schafft, bereitstellt und wirtschaftlich trägt. Für ICT-Verantwortliche ist diese Sicht wichtig, weil eine technische Lösung ihren Zweck erst im Zusammenhang mit Kundennutzen, Abläufen, Partnern, Kosten und Erträgen erhält. Ein System kann technisch überzeugen und trotzdem am Geschäftsmodell vorbeigehen.
Die neun Bausteine des Business Model Canvas
Das Business Model Canvas von Osterwalder und Pigneur ordnet ein Geschäftsmodell in neun miteinander verbundene Bausteine. Es ist eine gemeinsame Arbeitsfläche, kein Nachweis dafür, dass die eingetragenen Annahmen stimmen.
| Bereich | Bausteine | Leitfrage für die ICT |
|---|---|---|
| Markt und Nutzen | Kundensegmente, Wertangebote, Kanäle, Kundenbeziehungen | Welche Bedürfnisse und Interaktionen soll die Lösung unterstützen? |
| Wirtschaftlichkeit | Einnahmequellen, Kostenstruktur | Welche Kosten entstehen über den Lebenszyklus, und wie trägt das Angebot zu Ertrag oder Nutzen bei? |
| Leistungserbringung | Schlüsselressourcen, Schlüsselaktivitäten, Schlüsselpartnerschaften | Welche Daten, Plattformen, Fähigkeiten und Partner werden benötigt? |
Die Bausteine sollten als zusammenhängendes System gelesen werden. Eine neue digitale Schnittstelle verändert beispielsweise nicht nur den Kanal. Sie kann auch neue Fähigkeiten, Supportprozesse, Sicherheitskontrollen und ein anderes Ertragsmodell erfordern.

Geschäftsmodelltypen richtig einordnen
Bezeichnungen wie Subscription, Plattform oder Freemium beschreiben jeweils nur einen Teil der Geschäftslogik. Eine Subscription legt fest, dass für einen fortlaufenden Zugang wiederkehrend bezahlt wird. Eine Plattform verbindet unterschiedliche Teilnehmergruppen und muss deren Zusammenspiel gestalten. Freemium kombiniert einen kostenlosen Grundumfang mit einem kostenpflichtigen Angebot. Diese Muster können miteinander verbunden werden; sie ersetzen die Analyse der neun Bausteine nicht.
Für einen ICT-Entscheid lohnt sich deshalb eine doppelte Prüfung: Zuerst wird geklärt, welches Wertangebot für welche Zielgruppe entsteht. Danach folgt die Frage, welche technischen und organisatorischen Fähigkeiten dieses Modell verlässlich tragen. Dazu gehören je nach Modell etwa Identitätsmanagement, Nutzungsmessung, Abrechnung, Datenqualität, Integrationen oder ein skalierbarer Betrieb.
Ein Canvas macht Zusammenhänge und offene Annahmen sichtbar. Erst Kundenbeobachtungen, Nutzungsdaten, Experimente und finanzielle Berechnungen zeigen jedoch, ob die angenommene Logik trägt. Die Value Proposition vertieft die Kundensicht; die Wertschöpfungsanalyse richtet den Blick auf Aktivitäten und ICT-Fähigkeiten.
Quellen und Literatur
- Osterwalder, A. & Pigneur, Y. (2010). Business Model Generation. Wiley.
- Strategyzer (2026). The Business Model Canvas. Abgerufen am 17. August 2026.


