
Kennzahlen zeigen, dass etwas nicht stimmt. Methoden der Kennzahlenanalyse zeigen, warum – und was zu tun ist. Dieser Unterschied ist entscheidend: Ohne Analysemethodik bleibt das ICT-Dashboard eine Ansammlung roter Ampeln ohne Handlungsorientierung.
Die Balanced Scorecard: Ausgewogen steuern
Die von Kaplan und Norton entwickelte Balanced Scorecard (BSC) ist mehr als ein Berichtsinstrument – sie ist ein Steuerungsrahmen, der vier Perspektiven systematisch verknüpft: Finanzen, Kundenzufriedenheit, interne Prozesse sowie Lernen und Entwicklung. Das Besondere: Die BSC macht Ursache-Wirkungs-Ketten sichtbar. Bessere Mitarbeitendenkompetenz (Lernperspektive) führt zu effizienteren Prozessen (Prozessperspektive), die zu höherer Kundenzufriedenheit (Kundenperspektive) und schliesslich zu besseren Finanzergebnissen führen.
Im ICT-Portfolio lässt sich dieses Denken direkt anwenden: Warum sind die Projektkosten gestiegen? Vielleicht, weil Anforderungen unklar waren (Prozess), weil Fachbereiche zu spät eingebunden wurden (Kunde) oder weil Projektleiter nicht ausreichend ausgebildet sind (Lernen).
Ursache-Wirkungs-Analyse: Das Werkzeug hinter der BSC
Für die eigentliche Ursachenforschung bieten sich verschiedene Methoden an. Das Ishikawa-Diagramm (Fischgräten-Diagramm) strukturiert mögliche Ursachen nach Kategorien wie Methode, Mensch, Maschine, Material und Umfeld. Die «5-Why»-Methode fragt so lange «Warum?», bis die Grundursache sichtbar wird – simpel, aber erstaunlich wirkungsvoll, um vorschnelle Symptombehandlung zu vermeiden.
Das Dashboard: Entscheidungen auf einen Blick
Ein gut gestaltetes ICT-Dashboard übersetzt die Kennzahlenwelt in visuelle Orientierung. Dabei gelten einige Grundprinzipien:
- Wenige, hochrelevante KPIs – keine Informationsflut
- Klare Farbkodierung mit definierten Schwellenwerten
- Trendanzeige (nicht nur aktueller Wert, sondern Entwicklung über Zeit)
- Zielgruppengerechtigkeit: GL-Dashboard ≠ Projektleiter-Dashboard
Technisch können Dashboards in BI-Tools (Power BI, Tableau), in Projektmanagement-Plattformen (Jira, Smartsheet) oder als einfache SharePoint-Seiten umgesetzt werden. Die Plattformwahl ist sekundär – entscheidend ist, dass das Dashboard tatsächlich genutzt wird.
Benchmarking als Analyseergänzung
Absolute Kennzahlen sagen wenig ohne Kontext. Der Cost Performance Index von 0.85 ist kritisch oder normal – je nach Projekt, Branche und Reifegrad. Externes Benchmarking, etwa über Gartner-Daten oder Branchenvergleiche, liefert die Referenzpunkte, die interne Kennzahlen erst interpretierbar machen.
Zur Auswahl der richtigen Kennzahlen: Kennzahlen als Erfolgsfaktor. Zur Qualitätssicherung der Datenbasis: Kontinuierliche Plausibilisierung im ICT-Portfolio.
Fazit
Von der BSC bis zum Dashboard geht es darum, aus Daten Erkenntnisse und aus Erkenntnissen Handlungen zu machen. Wer Methoden der Kennzahlenanalyse beherrscht, verwandelt sein Reporting von einer Rückschau in eine echte Führungsgrundlage.
Literatur
Kaplan, R. S. & Norton, D. P. (2004). Strategy Maps. Harvard Business School Press. — Ishikawa, K. (1990). Introduction to Quality Control. 3A Corporation. — Few, S. (2006). Information Dashboard Design. O’Reilly. — Gartner (2023). Best Practices for IT Metrics and Dashboards.
Quellen
- Kaplan, R.S. & Norton, D.P. (1996). The Balanced Scorecard. Harvard Business School Press.


