Selbstanalyse richtet den Blick auf den Teil eines Konflikts, den eine Person unmittelbar beeinflussen kann: das eigene Verhalten, die eigene Deutung und die nächsten Schritte. Das ist kein pauschales Schuldeingeständnis. In asymmetrischen Situationen oder bei Grenzüberschreitungen wäre es sogar problematisch, Verantwortung gleichmässig auf alle Beteiligten zu verteilen.
Für gewöhnliche Spannungen in der Zusammenarbeit schafft die Selbstanalyse jedoch eine bessere Grundlage für ein sachliches Gespräch. Sie trennt Beobachtung, Wirkung und Bedürfnis, bevor Forderungen formuliert werden.
Vier Bereiche prüfen
| Bereich | Leitfragen |
|---|---|
| Beobachtung und eigener Beitrag | Was ist konkret geschehen? Was habe ich getan oder unterlassen? Welche meiner Handlungen könnte zur Entwicklung beigetragen haben? |
| Gefühle und Reaktion | Was löst die Situation bei mir aus? In welchem Moment reagiere ich besonders stark? |
| Interessen und Erwartungen | Was ist mir an der Sache wichtig? Welche Erwartung wurde nicht erfüllt? Wurde sie ausgesprochen? |
| Handlungsspielraum | Was kann ich selbst verändern? Was muss ich ansprechen, und wobei brauche ich Unterstützung? |

Verantwortung präzise einordnen
Der eigene Anteil kann darin bestehen, unklare Erwartungen nicht angesprochen, Informationen zurückgehalten oder eine scharfe Reaktion gezeigt zu haben. Daraus folgt nicht, dass die andere Seite keine Verantwortung trägt. Hilfreich ist eine Formulierung, die den eigenen Beitrag benennt, ohne den gesamten Konflikt zu übernehmen: «Ich habe den Entscheid zu spät erklärt. Das hat die Situation verschärft. Gleichzeitig müssen wir klären, weshalb die vereinbarte Übergabe nicht erfolgt ist.»
Die Reflexion sollte auch die eigene Rolle einbeziehen. Eine Führungskraft verfügt über Entscheidungsmacht und trägt besondere Verantwortung für den Gesprächsrahmen. Eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter kann sich möglicherweise nicht gleich frei äussern. Bei Belästigung, Diskriminierung oder anderen möglichen Grenzüberschreitungen steht nicht die Suche nach einem gleich grossen «Eigenanteil» im Vordergrund, sondern Schutz und sorgfältige Abklärung.
Für die Vorbereitung lässt sich die Selbstanalyse schriftlich strukturieren. Der Perspektivenwechsel ergänzt sie um alternative Deutungen.
Quellen und Literatur
- Glasl, F. (2013). Konfliktmanagement: Ein Handbuch für Führung, Beratung und Mediation (11. Aufl.). Haupt.
- Goleman, D. (1995). Emotional Intelligence. Bantam Books.


