Technische Schulden entstehen, wenn eine heute gewählte Abkürzung später zusätzlichen Änderungsaufwand verursacht. Ein altes oder nicht mehr unterstütztes System ist dagegen nicht automatisch «Schuld» im ursprünglichen Sinn. Alterung, Obsoleszenz, Wartungsrückstand und technische Schulden sollten getrennt erfasst werden, weil sie unterschiedliche Massnahmen verlangen.
technische Schulden bewerten: Fünf Bewertungsfelder
| Feld | Beispiele |
|---|---|
| Geschäftliche Kritikalität | betroffene Leistungen, tolerierbare Ausfallzeit und Abhängigkeiten |
| Technischer Zustand | Supportstatus, Architektur, Fehleranfälligkeit, Sicherheitslücken und Wartbarkeit |
| Betriebsleistung | Verfügbarkeit, Störungen, Wiederherstellbarkeit und manueller Aufwand |
| Kosten | Betrieb, Lizenzen, Support, Änderungen und erwartete Migrationskosten |
| Handlungsfähigkeit | verfügbares Wissen, Ersatzoptionen, Datenportabilität und Lieferantenabhängigkeit |
Kennzahlen wie MTBF sind nur für geeignete Komponenten aussagekräftig. Für viele digitale Services liefern Nutzerwirkung, Wiederherstellungszeit und Änderungsrisiko ein vollständigeres Bild.

Massnahmen nach Risiko und Wert wählen
Dabei verbindet ein Portfolio den geschäftlichen Wert mit technischem Zustand, Kosten und Risiko. Zudem sind mögliche Entscheide Weiterbetrieb mit akzeptiertem Risiko, gezielte Stabilisierung, Modernisierung, Migration oder Ablösung. «Sofort handeln» folgt nicht allein aus einem Sicherheitsbefund; Schwere, Ausnutzbarkeit, Exposition und mögliche Zwischenkontrollen müssen berücksichtigt werden.
Die Kosten des Nicht-Handelns werden ebenso geschätzt wie die Investition. Sie sind nicht automatisch höher. Transparente Annahmen verhindern, dass eine gewünschte Erneuerung mit pauschalen Risikobehauptungen begründet wird. Die Anwendungsportfoliobewertung ergänzt die Sicht auf Geschäftsnutzen und Kosten. Das ICT-Reifegradmodell ordnet organisatorische Voraussetzungen ein.
Quellen und Literatur
- Cunningham, W. (1992). The WyCash portfolio management system. OOPSLA ’92 Experience Report.


