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Infrastruktur- und Systembewertung: Erneuerung nachvollziehbar priorisieren

ICT-Strategie2 Min Lesezeit

Technische Schulden entstehen, wenn eine heute gewählte Abkürzung später zusätzlichen Änderungsaufwand verursacht. Ein altes oder nicht mehr unterstütztes System ist dagegen nicht automatisch «Schuld» im ursprünglichen Sinn. Alterung, Obsoleszenz, Wartungsrückstand und technische Schulden sollten getrennt erfasst werden, weil sie unterschiedliche Massnahmen verlangen.

technische Schulden bewerten: Fünf Bewertungsfelder

Feld Beispiele
Geschäftliche Kritikalität betroffene Leistungen, tolerierbare Ausfallzeit und Abhängigkeiten
Technischer Zustand Supportstatus, Architektur, Fehleranfälligkeit, Sicherheitslücken und Wartbarkeit
Betriebsleistung Verfügbarkeit, Störungen, Wiederherstellbarkeit und manueller Aufwand
Kosten Betrieb, Lizenzen, Support, Änderungen und erwartete Migrationskosten
Handlungsfähigkeit verfügbares Wissen, Ersatzoptionen, Datenportabilität und Lieferantenabhängigkeit

Kennzahlen wie MTBF sind nur für geeignete Komponenten aussagekräftig. Für viele digitale Services liefern Nutzerwirkung, Wiederherstellungszeit und Änderungsrisiko ein vollständigeres Bild.

Fachgrafik mit Geschäftliche Kritikalität, Technischer Zustand, Betriebsleistung, Kosten, Handlungsfähigkeit.
Die Grafik fasst die im Beitrag «Infrastruktur- und Systembewertung: Erneuerung nachvollziehbar priorisieren» beschriebenen Zusammenhänge zusammen.

Massnahmen nach Risiko und Wert wählen

Dabei verbindet ein Portfolio den geschäftlichen Wert mit technischem Zustand, Kosten und Risiko. Zudem sind mögliche Entscheide Weiterbetrieb mit akzeptiertem Risiko, gezielte Stabilisierung, Modernisierung, Migration oder Ablösung. «Sofort handeln» folgt nicht allein aus einem Sicherheitsbefund; Schwere, Ausnutzbarkeit, Exposition und mögliche Zwischenkontrollen müssen berücksichtigt werden.

Die Kosten des Nicht-Handelns werden ebenso geschätzt wie die Investition. Sie sind nicht automatisch höher. Transparente Annahmen verhindern, dass eine gewünschte Erneuerung mit pauschalen Risikobehauptungen begründet wird. Die Anwendungsportfoliobewertung ergänzt die Sicht auf Geschäftsnutzen und Kosten. Das ICT-Reifegradmodell ordnet organisatorische Voraussetzungen ein.

Quellen und Literatur

  • Cunningham, W. (1992). The WyCash portfolio management system. OOPSLA ’92 Experience Report.
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